Sonntag, 20. April 2014

[Rezension] Die Legende vom heiligen Trinker (Joseph Roth)

Allgemeine Infos
Autor: Joseph Roth
Verlag: Insel
Erstmals erschienen: 1939
Preis: 5€ (TB)
Seitenanzahl: 81

Klappentext
Ein Bettler und Trinker erhält von einem Fremden unverhofft 200 Francs. Als Mann von Ehre will er das Geld zurückgeben, doch das wird durch seine Trunksucht stets verhindert... erst im Tod kann er sein Versprechen halten.








 Erster Satz
"An einem Frühlungsabend des Jahres 1934 stieg ein Herr gesetzten Alters die steinernen Stufen hinunter, die von einer der Brücken über die Seine zu deren Ufern führen."

Meine Meinung
Äußere Gestaltung
Weshalb müssen deutsche Klassiker grundsätzlich langweilige Cover haben? Gut, das Bild über dem Titel passt zum Inhalt des Buches, aber ich finde doch, da hätte man sich noch ein wenig mehr Mühe geben können. Großartige Bücher verdienen großartige Einbände, oder etwa nicht?
Das Format ist leider meiner Meinung nach recht verschwenderisch. Man hätte die Seiten ein gutes Stück kleiner machen können. Gut, so viel umweltschonender wäre das nun auch nicht, aber 2,5cm Abstand am seitlichen und mehr als 3cm Abstand am unteren Rand  finde ich dann unter dem ökologischen Aspekt betrachtet etwas fraglich.

Schreibstil
In dieser Erzählung ist der Schreibstil einfacher gehalten als in "Hiob", dem einzigen anderen Werk von Joseph Roth, den ich bislang gelesen habe. Da ich hier nicht tiefer auf die Interpretation eingehen will, kann ich nur sagen, dass Joseph Roth definitiv heute einfacher zu verstehen ist, als andere Schriftsteller seiner Zeit, deren Formulierungen den Leser des Öfteren zum Nachschlagen zwingen.
Der Stil ist, wie gesagt, klar, leicht zu verstehen, und dennoch äußerst bildhaft und fesselnd. Vermutlich einer der Gründe, weshalb ich die (wenn auch ohnehin recht kurze) Geschichte in einem Rutsch durchgelesen habe.

Inhalt
"Die Legende vom heiligen Trinker" ist witzig und zugleich traurig, hoffnungsvoll und gleichsam aussichtslos.
Dem obdachlose, alkoholabhängige Andreas geschehen innerhalb kürzester Zeit mehrere scheinbare "Wunder". Doch da der Mensch sich leider an solche Wunder gewöhnt, und Andreas trotz seines Vorsatzes, ein rechtschaffender Mann zu sein, dem Alkohol nicht abschwören kann, gerät er zwischendurch immer wieder in Not.
Sein von der Droge gesteuerter Lebenswandel weist traurigerweise diverse Parallelen zum Autor Joseph Roth selbst auf. Als ich in meiner letzten Rezension schreib, einige Schriftsteller müssten definitiv Hellseher sein, hatte ich anscheinend Recht, denn auch diese Geschichte hat teilweise einen recht prophetischen Charakter, wenn auch mehr auf den Autor selbst, und nicht auf die Zukunft Europas bezogen.

Fazit
In "Die Legende vom heiligen Trinker" vereint Joseph Roth paradoxerweise Naivität mit Zynismus, Satire mit trauriger Wahrheit und Wortwitz mit einer tragischen Handlung. Und nach Beenden des Buches ist man als Leser wirklich überrascht, dass diese Geschichte auf lediglich 80 Seiten niedergeschrieben steht.
4 von 5 Punkten

1 Kommentar:

  1. Joseph Roth kenne ich nur aus dem Schulunterricht, da konnte mich sein Buch Hiob nicht sehr fesseln...
    Die Legende vom heiligen Trinker hört sich schon eher interessant an, vielleicht guck ich mir das irgendwann mal an =)

    viele Grüße, Maja

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