Montag, 21. Juli 2014

[Rezension] Teufelsmord (Tanja Noy)

Allgemeine Infos
Autor: Tanja Noy
Verlag: Mira Taschenbuch
Genre: Thriller
Erstmals erschienen: 2014 (D)
Preis: 9,99€ (TB)
Seitenanzahl: 384

Klappentext
Über 20 Jahre sind vergangen seit drei grausame Morde in Julia Wagners niedersächsischer Heimat als "Teufelsmorde" Schlagzeilen machten. Doch jetzt taucht eine nach gleichem Muster zugerichtete Leiche auf. Eine Jugendfreundin Julias gesteht die Tat, bevor sie sich das Leben nimmt. Von der Unschuld ihrer Freundin überzeugt, beginnt Julia eigene Nachforschungen in einer verschworenen Dorfgemeinschaft, derer sie nie ein Teil war und die alle und alles von "draußen" als Bedrohung betrachtet. Während ihrer lebensgefährlichen Suche nach Antworten macht sie sich mächtige Feinde und erfährt dabei unfassbare Dinge über ihre eigene Vergangenheit.

Erster Satz
"'Sicher, dass sie hier entlanggelaufen ist?'"

Meine Meinung
Äußere Gestaltung
Auch ohne den Titel zu lesen, ist bei Anblick des Covers sofort klar: hierbei handelt es sich um einen Thriller, und hier geht es um Satanismus. Wirklich schön ist das Titelbild nicht, aber das soll es auch nicht sein. Zudem weichen Aufbau und Gestaltung von "typischen" Thriller-Covern ab, weshalb einem das Buch im Geschäft vermutlich direkt in's Auge springt.

Schreibstil
Tanja Noy's Schreibstil ist klar und deutlich, ohne dabei viel Zeit mit Beschreibungen zu vergeuden. Leider wirken einige Stellen, an denen ich mich über genauere Auskünfte über den jeweiligen Handlungsort, oder über die Gefühle der Figuren gefreut hätte, ein wenig kahl.

Inhalt
Nach vielen Jahren trifft die Ex-Polizistin Julia Wagner wieder auf ihre besten Freunde aus Kindertagen; zumindest auf zwei davon, denn der Anlass ist die Beerdigung des letzten Teils des "Kleeblatts", Kerstin. In Wittenrode, dem Dorf, in dem die Freunde im Waisenhaus aufwuchsen, soll Kerstin ihren Mann und wenig später sich selbst umgebracht haben. Viel seltsamer ist jedoch die Art des Mordes; die junge Frau ahmte damit die Art der bereits verjährten "Teufelsmorde" nach. Julia, Eva und Greger zweifeln an Kerstins Schuld, und versuchen der Sache auf den Grund zu gehen.
Ein kleines Dorf voller engstirniger Eingeborener, die alle irgendetwas zu verbergen scheinen - sonderlich originell ist dieser Anfang nicht. Leider verringert sich dieser Eindruck im Laufe der Geschichte kaum (wobei man dazu sagen muss, dass die meisten Thriller ein und dem selben Schema folgen).
Es treten unheimlich viele Nebenfiguren auf, deren Positionen im Dorf zwar erläutert, meist aber recht gefühlskalt herübergebracht werden. Wirklich störend ist dies lediglich bei den Hauptcharakteren; denn obwohl es sich in diesem Thriller nunmal um kaltblütige Morde dreht, hätte ich doch ein wenig mehr Einblicke in die Gefühlswelt der Protagonistin erwartet, zumal auch ihre Vergangenheit (bzw. die ihres Vaters) großen Einfluss auf die Handlung nimmt. Solche emotionalen Momente sind zwar durchaus vorhanden, werden aber eben nicht emotional beschrieben.
Teilweise scheinen die Hintergrundgeschichten der Dorfbewohner rein gar nichts mit der tatsächlichen Handlung zu tun haben, was durch die zusätzlich flachen Charakter-Darstellungen ein wenig störend wirkt.
Gut gefallen hat mir die Darstellung von Homosexualität in diesem Roman. Es gibt mehrere lesbische Charaktere, jedoch sind sie weder klischeehaft gestaltet, noch dreht sich ihre gesamte Storyline um ihre sexuellen Präferenzen (was man leider nicht von vielen Thrillern sagen kann).
Überraschend war nach vielen vorhersehbaren Ereignissen tatsächlich das Ende; gerade hatte ich mich mit der Identität des Täters abgefunden, da bekam das Ganze dann doch noch eine schlagartige Wendung. Schade, dass sich die Autorin einen solchen "Plot-Twist" für die letzten paar Seiten aufgespart hat; den Rest des Buches war, wie gesagt, häufig vorhersehbar, manchmal sogar regelrecht langweilig.

Ein Roman mit Potential, welches leider nicht vollends ausgeschöpft wurde. Dennoch freue ich mich auf weitere Werke der Autorin, die sich sicherlich noch positiv weiterentwickeln wird.




 
 

 
Danke an BloggdeinBuch.de!

Kommentare:

  1. Da hat wohl einer viel negativer Erfahrungen mit Thrillern gemacht ;)
    So klingt es zumindest.
    Aber nette Kritik! Nun ist mein Interesse dafür doch etwas verflogen :P

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    1. Vermutlich sind meine Erwartungen meistens einfach zu hoch, insbesondere, wenn es sich um eines der ersten Werke eines Autors handelt. Ich habe auch schon einige Thriller gefunden, die mir sehr gut gefallen haben :)
      Um Julia Wagner wird es wohl eine Reihe geben, vielleicht gebe ich dem zweiten Band ja noch eine Chance :D

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